Monthly Championship Januar 2026

Neujahrsspaziergang 2026

Der Clubabend begann leise – und endete stark.

Schon früh zeichnete sich ab, dass dieser Wettbewerb weniger von klaren Abständen als vielmehr von feinen Nuancen geprägt war. Die Platzierungen erzählten keine Geschichte von „gut“ und „schlecht“, sondern von unterschiedlichen Stärken, Blickwinkeln und fotografischen Handschriften.

Ganz oben stand – verdient und fast einstimmig – der Morgenspaziergang im Schwerter Wald. Die analoge Aufnahme vom Neujahrsmorgen 2006 wirkte wie ein Innehalten im Trubel der Bilderflut. Nebel, Licht und eine einzelne Figur auf dem Weg verbanden sich zu einer stillen, poetischen Szene. Kein Effekt, kein Spektakel – nur Atmosphäre, Reduktion und Gefühl. Ein Siegerbild, das nicht laut sein musste, um zu überzeugen. Dafür gab es nicht nur die höchste Punktzahl, sondern auch spürbare Anerkennung im Raum.
 
Wir gratulieren Oliver zum Gewinn der Monthly Championship Januar 2026.

 

Neujahrswanderung
 
Platz 1 – Ø 7,50 Punkte, Oliver

 
Knapp dahinter folgte mit spürbar mehr Energie das Bild „Luise heizt ein“ von der Saisoneröffnung an der Luisenhütte in Balve Woklum. Feuer, Funken und Bewegung dominierten diese Aufnahme, die durch perfektes Timing und sichere Belichtung bestach. Wo der erste Platz Ruhe ausstrahlte, lebte dieses Bild von Dynamik und Kraft. Die Silhouette vor dem Funkenregen brannte sich förmlich ins Gedächtnis – ein zweiter Platz für Jörg-Ilja, der nach Hitze roch.

 

Luise heizt ein
 
Platz 2 – Ø 7,33 Punkte, Jörg-Ilja

 
Den dritten Rang sicherte sich der Wasserfall im Schwarzwald von Wilfried, ein Bild, das handwerklich überzeugte. Die Belichtungszeit war so gewählt, dass das fallende Wasser bereits weich und grafisch wirkte, während der Bachlauf noch Zeichnung behielt. Eis, Moos und Bewegung bildeten eine harmonische Einheit. Still, technisch sauber und konsequent umgesetzt – ein Naturbild ohne Kitsch, aber mit Substanz.

 

Wasserfall
 
Platz 3 – Ø 7,08 Punkte, Wilfried

 
Auch Jörg-Ilja und Wilfried Gratulation zu den Plätzen auf dem Treppchen.

 
Danach folgte ein dichtes Feld, angeführt von der nächtlichen STAR-Tankstelle in Duisburg-Beeck. Das Zusammenspiel von grellem Kunstlicht und dunkler Industrie im Hintergrund sorgte für kontroverse Diskussionen. Lichtsterne und Autospuren polarisierten, doch genau das machte den Reiz des Bildes aus. Urban, roh und klar im Bezug zum Ruhrgebiet – ein Bild von Benno, das nicht gefallen wollte, sondern Stellung bezog.

 
Ebenfalls im oberen Mittelfeld schwebte Dittmars Heißluftballon über dem Niltal bei Luxor. Der Fluss selbst ist im Hintergrund zu erahnen. Was zunächst wie sanfter Morgennebel wirkte, entpuppte sich als Rauchschwaden – ein Detail, das der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Der Ballon als farbiger Ruhepol über der weiten Landschaft verlieh dem Bild Tiefe und Gelassenheit. Ein Reisebild mit Atmosphäre und einem Hauch Irritation.

 
Der Blick von Anjas Nordsee-Deich brachte wieder Ruhe in die Runde. Sonnenaufgang, frostiger Boden, eine geschwungene Straße und eine einzelne Person in der Ferne – klassisch komponiert und sauber umgesetzt. Kein Experiment, sondern ein sicheres Gespür für Licht und Linien. Ein Bild, das durch seine Klarheit überzeugte.

 
Grafischer wurde es mit Malern auf einer Glaskuppel von Dietmar. Die Schattenfiguren auf der Gittertreppe, eingefasst von geometrischen Strukturen, lebte von Reduktion und Kontrast. In der Diskussion wurde schnell klar: Der Beschnitt ist der Schlüssel. Ein engerer, quadratischer Fokus hätte die Wirkung noch gesteigert – ein gutes Bild, das durch Feinarbeit noch besser werden könnte.

 
Mit dem winterlichen Strand an der niederländischen Nordsee erzählt Volker von Weite, Licht und Spaziergängern im Abendlicht. Die Stimmung war unbestritten schön, doch die Vielzahl der Personen nahm dem Bild die die Fokussierung. Weniger Figuren hätten dem Motiv noch mehr Ruhe verliehen.

 
Mit Karl-Ulrichs Bild vom Tetraeder auf der Halde Prosper zeigte sich schließlich, wie entscheidend der Bildausschnitt ist. Das Motiv selbst ist stark und monumental, der gewählte Beschnitt und die intensive Bearbeitung lenkten die Aufmerksamkeit stark und eröffneten unterschiedliche Lesarten. Ein Bild, bei dem eine klarere gestalterische Entscheidung die Wirkung des Motivs noch stärker hätte herausarbeiten können.

 
Den Abschluss bildete Ingos Aufnahme eines Baums vor einer Ruine. Eine senkrechte Panoramaaufnahme aus 5 Einzelfotos. Das Foto ist so gestaltet, dass es wie ein Blick durch ein gigantisches Schlüsselloch aussieht. Entstanden ist es in dem alten Turm der Niederburg bei Büren. Im Turm stehend gab eine Mauerlücke über die gesamte Höhe des Turms den Blick frei auf den benachbarten Baum.

 
So blieb am Ende der Eindruck eines Abends, an dem nicht ein einzelnes Bild dominierte, sondern die Vielfalt. Die Platzierungen gaben Orientierung, doch entscheidender war die gemeinsame Erkenntnis: Gute Fotografie entsteht dort, wo Idee, Technik und bewusste Entscheidung zusammenkommen. Und genau das wurde an diesem Abend sichtbar.

Vielen Dank an Alle, die wieder mitgemacht haben.
 
Text: Jörg-Ilja Haußmann, Dittmar Graf und Ingo Langner
 

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Über das Projekt

Projekt: Monthly Championship

Bei der Monthly Championship (MC) handelt es sich um einen vereinsinternen Wettbewerb. Unsere Mitglieder sind gleichzeitig Teilnehmer und Juroren. Eine wunderbar unkomplizierte Gelegenheit für den Einstieg in die Welt der Wettbewerbsfotografie. Die Platzierungen werden im Nachgang aufbereitet auf unserer Website bereitgestellt. Eine Zeit lang haben wir die Bewertung und Wahl, welches Bild das “Bild des […]