Auch in der diesjährigen Frühjahrsmeisterschaft zeigte sich wieder, wie vielseitig ein Thema, hier „neu neben alt“, interpretiert werden kann. Die eingereichten Arbeiten reichten von klassischer Architekturfotografie bis hin zu konzeptionellen und experimentellen Ansätzen. Die Bildbesprechung brachte dabei – wie häufig – spannende Diskussionen und unterschiedliche Sichtweisen hervor.
Platz 1 – Dietmar (Ø 7,57)
Mit seiner eindrucksvollen Aufnahme des Kölner Doms sicherte sich Dietmar verdient den ersten Platz – herzlichen Glückwunsch!
Die Fotografie besticht durch eine klare, fast strenge Komposition: Die beiden gotischen Türme treffen auf moderne Architektur und vereinen damit gleich vier Epochen in einem Bild. Besonders gelobt wurde die konsequente Fokussierung auf das Thema, das hier nahezu idealtypisch umgesetzt ist.
Die korrigierten stürzenden Linien sorgen für eine ungewohnte, aber sehr prägnante Bildwirkung. Diese bewusste Entscheidung verleiht dem Bild eine gewisse Strenge und „pure Konzentration“, die unter den Juroren großen Anklang fand.

Platz 1 – Dietmar (Ø 7,57)
Platz 2 – Dittmar (Ø 7,33)
Auch an Dittmar einen herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz!
Sein sorgfältig arrangiertes Stillleben verbindet eine Leica M2 mit der modernen OM-1 von OM System und schlägt damit eine Brücke zwischen analoger und digitaler Fotografie.
Das Thema wurde nicht nur direkt umgesetzt, sondern auch subtil erweitert: links eine körnigere, analoge Anmutung – rechts eine glatte, digitale Bildsprache. Zudem ziehen sich rote Akzente als gestalterisches Element durch das gesamte Bild.
In der Diskussion wurde die Arbeit als technisch sehr sauber und durchdacht gewürdigt. Gleichzeitig gab es Stimmen, die sich eine noch mutigere Interpretation wünschten oder die Darstellung als etwas „zu direkt“ empfanden. Auch der Bildschnitt – insbesondere rechts und unten – wurde kritisch hinterfragt.

Platz 2 – Ø 7,33 Punkte, Dittmar
Platz 3 – Jörg-Ilja (Ø 6,83)
Den dritten Platz belegte Jörg-Ilja – ebenfalls herzlichen Glückwunsch!
Seine Makroaufnahme einer Venusfliegenfalle hebt sich deutlich von den anderen Beiträgen ab und interpretiert das Thema auf biologischer Ebene.
Frische, lebendige Fangblätter stehen im direkten Kontrast zu bereits abgestorbenen Pflanzenteilen – „neu neben alt“ wird hier als natürlicher Kreislauf sichtbar. Besonders hervorgehoben wurden die exzellente Schärfe und die gelungene Freistellung, die das Motiv plastisch hervorheben.

Platz 3 – Ø 6,83 Punkte, Jörg-Ilja
Platz 4 – Ingo (Ø 6,67)
Ingos Aufnahme zeigt die Niederburg bei Büren in einer ruhigen, winterlichen Landschaft, in Kombination mit einer Autobahnbrücke der A44. Ein großer, kahler Baum verstärkt die zeitlose, fast stille Atmosphäre. Das warme Licht auf der Ruine und der Brücke hebt sie subtil hervor.
Historische Ruine, moderne Infrastruktur und Natur treffen hier aufeinander.
In der Bildbesprechung wurde jedoch kontrovers diskutiert, ob das Thema ausreichend präsent ist. Einige sahen den Schwerpunkt eher auf der Landschaft selbst, verstärkt durch den dominanten Baum im Vordergrund.
Auch die nachträgliche Bildbearbeitung – insbesondere der Eindruck von Sonnenuntergang sowie Schnee bzw. Raureif – wurde thematisiert. Sie trägt zwar zur Stimmung bei, wurde aber unterschiedlich bewertet.
Platz 5 – Wilfried (Ø 6,56)
Wilfrieds Stillleben wurde als das Bild mit der stärksten inhaltlichen Aussage gewürdigt. Die Kombination aus alten Büchern und einem E-Reader bringt das Thema „neu neben alt“ auf den Punkt – nicht räumlich, sondern kulturell.
Die Idee und die Auswahl der Bücher fanden große Zustimmung. Gleichzeitig wurde angemerkt, dass die Bildbearbeitung stellenweise eine etwas unnatürliche Wirkung erzeugt.
Einige Teilnehmer erkannten zudem stilistische Anleihen bei bekannten Fotokünstlern, was sowohl als Referenz als auch als möglicher Kritikpunkt gesehen wurde. Die Komposition selbst wurde jedoch klar positiv bewertet.
Platz 6 – Oliver (Ø 6,10)
Olivers Aufnahme einer Hausfassade zeigt „neu neben alt“ auf eine differenzierte Weise: Zum einen im direkten Nebeneinander zweier Gebäude, zum anderen innerhalb des alten Hauses selbst, etwa durch modernisierte Fenster und Dachbereiche.
Die bewusste Entscheidung, das alte Gebäude in den Vordergrund zu stellen, verleiht dem Bild eine interessante Spannung. Gleichzeitig wurde diskutiert, dass das neue Gebäude relativ wenig Raum einnimmt, wodurch der Kontrast weniger dominant wirkt.
Platz 7 – Jürgen (Ø 5,61)
Jürgens Beitrag entstand an der Baumwollbörse in Bremen und lebt von komplexen Spiegelungen: Moderne Gebäude überlagern sich mit historischer Architektur.
Die Aufnahme wurde als interessanter Schnappschuss bei engem Zeitfenster beschrieben. Allerdings wurde auch festgestellt, dass sich das Thema „neu neben alt“ nicht sofort erschließt. Die visuelle Mehrschichtigkeit ist spannend, bleibt aber in ihrer Aussage eher zurückhaltend.
Fazit
Die Frühjahrsmeisterschaft 2026 hat einmal mehr gezeigt, wie unterschiedlich ein Thema interpretiert werden kann – von klarer, fast lehrbuchhafter Umsetzung bis hin zu subtilen oder experimentellen Ansätzen.
Besonders die Top 3 überzeugten durch eine starke Verbindung von Idee und Umsetzung – sei es architektonisch, technisch oder biologisch gedacht. Gleichzeitig spiegeln die Diskussionen im Club wider, dass gerade die Grenzbereiche zwischen Dokumentation, künstlerischer Gestaltung, Interpretation und Bildbearbeitung immer wieder für spannende Gespräche sorgen.