Bei der Bildbesprechung im Rahmen des Clubabends am 16.04.2026 zeigte sich erneut die große thematische Bandbreite innerhalb des Clubs – von experimenteller Mikroskopie über klassische Landschaft bis hin zur dokumentarischen Fotografie. Die Bewertungen lagen insgesamt nah beieinander, dennoch kristallisierten sich klare Favoriten heraus.
Den ersten Platz sicherte sich Dittmar mit seiner technisch herausragenden Makroaufnahme eines Laubholzbockkäfers. Das Bild überzeugte vor allem durch seine konsequente Umsetzung: Ein Stack aus rund 30 Aufnahmen sorgt für eine durchgehende Schärfe über das gesamte Insekt, während die gezielte Beleuchtung den Käfer plastisch vor einem vollständig schwarzen Hintergrund freistellt. Die nachträgliche Retusche der Präparationsnadel bleibt unsichtbar und unterstreicht den sauberen Gesamteindruck. Die Aufnahme wirkt fast wissenschaftlich präzise – ein technisch nahezu perfektes Bild, das seine Wirkung vor allem aus dieser Kontrolle bezieht.
Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn dem Monthly Championship April 2026.

Platz 1 – Dittmar – Ø 7,21 Punkte
Auf Platz zwei folgte Volker mit einer ungewöhnlich reduzierten Landschaftsaufnahme von den Sandstränden auf Norderney. Die Widescreen-Komposition zeigt einen menschenleeren Strand bei starkem Regen, ohne Spuren im Sand und mit nur minimal herausgearbeitetem Horizont. Der klassische Aufbau von Vorder-, Mittel- und Hintergrund ist zwar vorhanden, tritt jedoch zugunsten einer fast meditativen Leere in den Hintergrund. Gerade diese bewusste Reduktion wurde als Stärke wahrgenommen – das Bild funktioniert weniger über konkrete Motive als über Atmosphäre und Haltung.

Platz 2 – Volker – Ø 7,17 Punkte
Den dritten Platz belegte Ingo mit seiner Aufnahme unter der A45 Ruhrtalbrücke. Die streng symmetrische Komposition im quadratischen Format erzeugt eine dichte, fast beklemmende Bildwirkung. Farbige Graffiti setzen gezielte Kontraste zur kühlen Betonarchitektur. Diskutiert wurde insbesondere die Pfütze im Vordergrund, die einerseits als führendes Element ins Bild gelesen werden kann andererseits aber auch als störend empfunden wurde. Die im Hintergrund erkennbaren Personen verlieren sich visuell in der Struktur und tragen nur bedingt zur Bildwirkung bei. Insgesamt ein stark angelegtes Bild, das jedoch in den Details nicht ganz die Konsequenz der beiden Erstplatzierten erreicht.

Platz 3 – Ingo – Ø 7,04 Punkte
Wir gratulieren auch Volker und Ingo zu den Platzierungen.
Im Mittelfeld platzierte sich Anja mit einer Mehrfachbelichtung aus Ahrenshoop in den Niederlanden (Platz 4 – Ø 6,83). Die Überlagerung von Häuserstrukturen erzeugt eine Vielzahl geometrischer Formen, insbesondere prägnante Dreiecke. Die Aufnahme entstand direkt in der Kamera und wurde nur minimal nachbearbeitet. Trotz erkennbar guter Ansätze blieb in der Diskussion der Eindruck, dass das vorhandene Potential nicht vollständig ausgeschöpft wurde.
Oliver erreichte mit seiner Landschaftsaufnahme Platz 5 (Ø 6,54). Das Bild ist solide komponiert und zeigt eine interessante Szenerie, bleibt jedoch in seiner Wirkung etwas zurückhaltend. Viele gestalterische Grundlagen sind vorhanden, doch es fehlt eine klare Zuspitzung, die das Bild über ein gutes Landschaftsfoto hinaushebt.
Karl-Ulrich belegte mit seiner Aufnahme eines verfallenen Gebäudes auf den Azoren Platz 6 (Ø 6,29). Die klar strukturierte Komposition mit Blick durch einen Torbogen auf ein Gebäude mit zwei Giebeln vermittelt Tiefe und erzählt eine Geschichte. Das gewählte Hochformat unterstützt die Bildwirkung, dennoch wurde das Bild insgesamt als etwas zu zurückhaltend wahrgenommen.
Gleich zwei Arbeiten teilten sich Platz 7 mit identischer Bewertung (Ø 6,04). Jörg-Ilja zeigte einen Grünfinken auf einem Metallzaun, der sauber freigestellt vor ruhigem Hintergrund präsentiert wird. Die Blickrichtung des Vogels ins Bild hinein sowie der Kontrast zwischen dem harten Zaun und dem filigranen Tier wurden positiv hervorgehoben. Dennoch wirkte das Bild eher wie ein beiläufig entstandener Moment, bei dem ein präziserer Ausschnitt die Wirkung hätte steigern können.
Ebenfalls auf Platz 7 landete Wilfried mit einer Mikroskopaufnahme von Ascorbinsäure unter kreuzpolarisiertem Licht. Die farbintensiven Strukturen werden durch Muster ergänzt, die die Dreidimensionalität der Aufnahme anschaulich verdeutlichen. Sie basieren auf einem starken Fokus-Stack und zeigen eindrucksvolle visuelle Effekte. Die Bildgestaltung erschloss sich nicht auf den ersten Blick, was auch damit zusammenhängen dürfte, dass es sich um einen Ausschnitt aus einem größeren Panorama handelt. Die zurückhaltende Führung wurde in der Diskussion unterschiedlich wahrgenommen.
Den neunten Platz belegte Benno mit seiner Aufnahme von einer „Fridays for Future“-Veranstaltung aus dem Jahr 2019 (Ø 5,44). Das Bild zeigt drei Kinder mit einem Klimaschild und bewegt sich inhaltlich zwischen dokumentarischer Aussage und persönlichem Moment. In der Besprechung wurde vor allem thematisiert, dass die gestalterische Entscheidung bewusst offen angelegt ist: Weder eine starke Freistellung noch eine eindeutige Bildaussage stehen im Vordergrund, wodurch die intendierte Reduktion zurückhaltend wirkt. Der Grundgedanke des Künstlers, dass das „Schwänzen“ der Schule zu Rechtschreibfehlern führt, erschloss sich den Juroren jedoch nicht unmittelbar. Die Beurteilung wäre sicherlich deutlich positiver ausgefallen, wenn sich dieser Bezug klarer geschlossen hätte, eventuell durch eine entsprechende Titelgebung.
Insgesamt spiegelte die Besprechung eine intensive Auseinandersetzung mit Bildgestaltung, Technik und Aussage wider. Besonders deutlich wurde, dass neben technischer Qualität vor allem Konsequenz in der Bildidee entscheidend für eine vordere Platzierung ist.