Elf Bilder, elf sehr unterschiedliche fotografische Handschriften: Bei unserer Monthly Championship im August 2026 reichte das Spektrum von Natur- und Tierfotografie über Architektur und Reportage bis hin zu experimenteller Fotografie. Beim Clubabend wurden die eingereichten Arbeiten gemeinsam betrachtet und intensiv diskutiert. Dabei ging es nicht allein um technische Perfektion, sondern vor allem um Bildwirkung, Gestaltung, Geschichten und natürlich die Frage: Was macht ein Foto besonders?
Am Ende setzte sich Raimund mit seiner nächtlichen Skyline und einem Durchschnitt von 7,04 Punkten durch. Dahinter erreichte Volker mit 6,79 Punkten den zweiten Platz. Gleich drei Arbeiten landeten auf dem dritten Rang: Jörg-Ilja, sowie Karl-Ulrich und Anja alle mit 6,71 Punkten.
Eine nächtliche Küstenstadt des südlichen Teneriffas, warmes Licht, Spiegelungen auf dem Wasser und darüber ein tiefblauer Himmel – eigentlich beste Voraussetzungen für ein schönes Postkartenmotiv. Doch Raimund hat seiner Aufnahme zwei Elemente mitgegeben, die sie aus dem Gewohnten herausheben: den silhouettenhaften Baukran und vor allem die diagonal durch den Himmel verlaufende Lichtspur eines Flugzeugs.
Gerade diese Lichtspur wurde bei der Bildbesprechung als das Element gesehen, das aus der schönen Ansicht ein originelles und unverwechselbares Foto macht. Ohne Kran und Lichtspur, so die Diskussion, wäre die Szene möglicherweise „nur“ eine attraktive Postkarte geblieben. Für die deutliche Darstellung der Flugzeugspur war zudem eine aufwendigere Bildbearbeitung notwendig. Eine besondere Aufnahme – und mit einem Punktedurchschnitt von 7,04 der verdiente 1. Platz der August-Meisterschaft für Raimund.

Platz 1 – Raimund: Nächtliche Skyline mit Lichtspur | Ø 7,04 Punkte.
Volker begegnete seinem Modell im März in Palma de Mallorca – hinter dem vergitterten Fenster einer Klosterküche in der Altstadt. Die Katze sitzt dort zwischen ganz alltäglichen Vorräten; bei den Tüten neben ihr handelt es sich unter anderem um Maisgrieß. Gerade diese Umgebung macht aus dem Tierporträt zugleich eine kleine Geschichte.
Besonders auffällig ist das massive Eisenkreuz vor dem Fenster. Volker hat den Ausschnitt so gewählt, dass die Augen der Katze innerhalb der strengen Gitterstruktur besonders zur Geltung kommen. Über den rechten Bildrand wurde bei der Besprechung durchaus diskutiert – er wurde von einigen als störend empfunden. Die ungewöhnliche Komposition und vor allem der intensive Blick der Katze überzeugten dennoch: Mit durchschnittlich 6,79 Punkten sicherte sich Volker Platz 2.

Platz 2 – Volker: Katze hinter Gitter | Ø 6,79 Punkte.
Von der Knospe über die vollständig geöffnete Blüte bis zur Biene auf der Blüte: Jörg-Ilja erzählt in seinem Triptychon eine kleine Geschichte vom Werden und Weitergeben. Die drei Aufnahmen werden durch ihre intensiven Gelb- und Rottöne zu einer Einheit und machen den Titel „Zyklus des Lebens“ nachvollziehbar.
Entstanden ist die Arbeit keineswegs auf einer großen Fotoreise, sondern auf dem heimischen Balkon. Auch technisch steckt eine kleine Besonderheit darin: Jörg-Ilja fotografierte mit einem alten Meyer-Optik-Görlitz-Objektiv. Mit 6,71 Punkten im Durchschnitt erreichte seine Arbeit einen der drei dritten Plätze.

Platz 3 – Jörg-Ilja: Zyklus des Lebens | Ø 6,71 Punkte/strong>
Karl-Ulrich erwischte auf der Extraschicht 2025 im Berne-Park genau den richtigen Augenblick. Eine Artistin, umgeben von großen Reifen, blickt direkt in die Kamera und streckt dem Betrachter ihre Hand entgegen. Dadurch entsteht etwas, das bei Veranstaltungsfotografie nicht selbstverständlich ist: ein unmittelbarer Kontakt zwischen Motiv und Betrachter.
Die Artistin ist hervorragend vom unscharfen Publikum im Hintergrund freigestellt, wodurch das Bild eine ausgeprägte Tiefe erhält. Auch die leicht schräge Ausrichtung wurde in der Diskussion nicht als Fehler gesehen – vielmehr unterstützt sie die Dynamik der Situation. Ein starker, lebendiger Moment, der Karl-Ulrich mit durchschnittlich 6,7 Punkten auf Platz 3 brachte.

Platz 3 – Karl-Ulrich: Artistin mit Hula-Hoop-Reifen | Ø 6,7 Punkte
Bei Anjas Aufnahme muss man fast zweimal hinschauen, um die räumliche Wirkung vollständig zu erfassen. Im Vordergrund beherrscht ein mächtiger, offenbar sehr alter Olivenbaum das Bild. Sein knorriger Stamm mit seinen Verwachsungen, Höhlungen und Strukturen wirkt beinahe wie eine natürliche Skulptur.
Das eigentliche gestalterische Highlight ist jedoch der Durchblick im Stamm. Wie durch ein natürliches Fenster schaut man in den dahinterliegenden Olivenhain. Zwei weitere Bäume stehen genau in diesem Ausschnitt und erzeugen eine bemerkenswerte Tiefenwirkung. Mit 6,7 Punkten im Durchschnitt teilt sich Anja den dritten Platz mit Karl-Ulrich und Jörg-Ilja.

Platz 3 – Anja: Alte Olivenbäume | Ø 6,7 Punkte
Die folgenden Fotos werden unabhängig von der Rangfolge der Bewertung vorgestellt.
Dietmar: Ruhr-Universität Bochum
Eine der stärksten Geschichten des Wettbewerbs sah die Runde in Dietmars Architekturfotografie von der Ruhr-Universität Bochum. Zunächst scheinen Beton, geometrische Formen und die wuchtige brutalistische Architektur das Bild vollständig zu beherrschen. Doch dann entdeckt man am Ende der Terrasse zwei kleine Menschen.
Die Linien und Flächen führen den Blick genau zu ihnen. Die beiden Figuren werden damit zum Bindeglied zwischen der massiven Architektur im Vordergrund und der grünen Landschaft des Ruhrtals dahinter. Selbst die Pflanzen auf dem Dach tragen zu diesem Dialog zwischen gebauter und natürlicher Umwelt bei. Glatte, harte Flächen treffen auf organische Landschaft.
Interessant ist auch Dietmars Ausgangspunkt: Bei seiner Suche ließ er sich von einem auf dem Gelände entstandenen Bild Andreas Gurskys inspirieren und ging der Frage nach, was dieser wohl beim Fotografieren an diesem Ort empfunden haben könnte.
Ingo: Hindufest in Wuppertal
Bei Ingos Aufnahme eines tamilischen Hindufestes in Wuppertal stehen die Farben im Mittelpunkt. Türkis, Grün, Orange, Rot und Violett, dazu die festliche Kleidung und die geschmückten Gefäße auf den Köpfen der Frauen – das Foto vermittelt etwas von der Atmosphäre der Veranstaltung.
Die Szene wurde bei der Besprechung als sehr harmonisch empfunden. Gleichzeitig entstand die Überlegung, ob eine engere Konzentration auf die drei Frauen in der Bildmitte noch mehr Ruhe geschaffen hätte. Kleine Elemente wie die Handtasche oder der blaue Bereich unten rechts ziehen etwas Aufmerksamkeit auf sich. Doch gerade als Veranstaltungs- und Reportagebild funktioniert Ingos Aufnahme: Sie transportiert nicht nur, wie das Fest aussah, sondern auch etwas davon, wie es sich anfühlte.
Wilfried: Der Wald in Bewegung
Mit Wilfrieds ICM-Aufnahme verlassen wir die klassische gegenständliche Fotografie ein Stück weit. Durch eine gezielte Kamerabewegung während der Belichtung werden Bäume und Blätter zu vertikalen grünen, braunen und hellen Farbspuren. Das Ergebnis erinnert eher an Malerei als an eine konventionelle Waldaufnahme.
Und doch bleibt die Wirklichkeit sichtbar. Die Bewegung folgt weitgehend den Baumstämmen, und ein Weg führt den Blick weiterhin in die Tiefe. Für ein ICM-Bild ist die Aufnahme damit erstaunlich gegenständlich. Die etwas unterschiedlichen Wischrichtungen links und rechts wurden diskutiert, von der Mehrheit aber nicht als störend empfunden. Wilfried bewegt sich mit seiner Arbeit damit reizvoll zwischen dokumentarischer Fotografie und Abstraktion.
Jürgen: Ruderer am Hafenfest Dortmund
Sport trifft Industrie: Jürgens Ruderer bewegen sich in ihrem langen blauen Boot durch eine ausgesprochen urbane Dortmunder Hafenkulisse. Alte Gewerbebauten, Graffiti, Wellblech und ein kräftig gelbes Tor bilden eine eher triste Umgebung – davor sorgen die Sportler für Bewegung und Leben.
Auch formal steckt einiges in der Aufnahme. Senkrechte und waagerechte Linien bestimmen große Teile des Hintergrundes, während das Boot schräg durch das Bild läuft und diese Ordnung durchbricht. Genau darüber wurde intensiv diskutiert: Für die einen war die Diagonale störend, für andere gerade das Besondere am Bild. Ähnlich kontrovers wurde die scheinbar ungeordnete Sitzposition der Ruderer wahrgenommen.
Die kräftigen Komplementärfarben von Boot und Tor setzen in der ansonsten grauen Umgebung zusätzliche Akzente. So wird Jürgens Bild zu einer kleinen Milieustudie über Sport, Freizeit und das industrielle Umfeld des Dortmunder Hafens. Sogar die Frage, ob die Szene als Schwarzweiß-Streetfotografie noch stärker funktionieren könnte, kam beim Clubabend auf.
Dittmar: Kreuzspinne
Dittmar setzt seine Kreuzspinne nicht einfach nur als Makromotiv in Szene. Die geblitzte Spinne leuchtet warm vor einem dunklen, weich verschwommenen Hintergrund, doch ein wesentlicher Teil der Bildwirkung entsteht durch das weitläufig sichtbare Netz.
Gerade der Gesamteindruck wurde in der Diskussion hervorgehoben: Das Hauptmotiv sitzt keineswegs nach allen klassischen Gestaltungsregeln „brav“ an der erwarteten Stelle. Trotzdem – oder gerade deshalb – funktioniert die Freistellung und die bewusste Komposition. Die filigranen Fäden ziehen sich durch große Teile des Bildes und geben der Spinne ihren Raum. Ein fotografisch stark gestaltetes Motiv, auch wenn bei der Besprechung augenzwinkernd festgestellt wurde, dass Spinnen bei Wettbewerben nicht unbedingt zu den dankbarsten Motiven gehören.
Oliver: Objekt und Lichtpunkt
Was passiert, wenn ein Foto fast nichts Konkretes zeigt? Olivers Arbeit war vermutlich eines der Bilder, über das sich am Clubabend am grundsätzlichsten diskutieren ließ. Ein unscharfes farbiges Objekt oben, ein heller Lichtpunkt weiter unten – und dazwischen viel Raum.
So abstrakt die Aufnahme zunächst erscheint, so klassisch ist ihr innerer Aufbau: Die beiden Elemente stehen sich innerhalb eines Drittelrasters gegenüber. Eine eindeutige Geschichte oder ein klar bestimmbares Motiv gibt es dagegen nicht. Genau daraus entstand die Frage: Wie bewertet man eigentlich ein solches Bild?
Auch die Entstehungsgeschichte gehört hier fast zum Werk. Oliver selbst bezeichnete die Aufnahme als „Frustbild“, entstanden nach seiner Unzufriedenheit mit der Besprechung eines vorherigen Projektbildes. Und die vermeintlich einfache Idee erwies sich technisch als überraschend schwierig – selbst ein bewusst unscharfes Bild mit dem Handy aufzunehmen, war nicht so leicht wie gedacht.
Elf Bilder – und mindestens ebenso viele Sichtweisen
Die August-Ausgabe unserer Monthly Championship zeigte einmal mehr, warum die gemeinsame Bildbesprechung ein wichtiger Bestandteil unserer Clubabende ist. Ein Foto kann technisch gelungen sein und trotzdem polarisieren. Ein schräges Boot kann stören – oder genau das Element sein, das ein Bild spannend macht. Ein störender Bildrand kann eine bewusste Entscheidung des Fotografen sein. Und eine Lichtspur kann aus einer schönen Urlaubsszene plötzlich ein Wettbewerbsbild machen.
Gerade diese unterschiedlichen Sichtweisen machen die Diskussion interessant. Die Punktzahlen bestimmen am Ende zwar die Platzierung, aber die Gespräche über Gestaltung, Bildwirkung und die Absichten der Fotografinnen und Fotografen liefern häufig den größeren Gewinn.
Herzlichen Glückwunsch an Raimund zum 1. Platz, an Volker zum 2. Platz sowie an Jörg-Ilja, Karl-Ulrich und Anja zu ihren dritten Plätzen – und vielen Dank an alle elf Bildautorinnen und Bildautoren für eine ausgesprochen abwechslungsreiche August-Runde!
Text: Jörg-Ilja Haußmann und Dittmar Graf
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