Monthly Championship Mai 2026

Der Mai-Wettbewerb unseres Fotoclubs zeigte erneut, wie unterschiedlich Fotografie interpretiert werden kann – von atmosphärischen Tieraufnahmen über experimentelle Architekturfotografie bis hin zu urbanen Nachtstimmungen. Die Bildbesprechungen waren geprägt von intensiven Diskussionen über Licht, Komposition und Bildwirkung. Besonders auffällig war diesmal die große stilistische Bandbreite der eingereichten Arbeiten.
 

 

Pelikane im Gegenlicht

 
Mit seinem Beitrag Pelikane im Gegenlicht erreichte Ingo Platz 1 (Ø 7,43 Punkte).

 
Dieses Bild beeindruckte die Clubmitglieder sofort durch seine außergewöhnliche Lichtwirkung. Die Szene entstand im Zoo Duisburg und zeigt eine Gruppe junger Pelikane bei der Gefiederpflege. Besonders der geöffnete Schnabel des mittleren Vogels dominiert die Komposition und erzeugt eine fast dramatische Spannung. Mehrere Mitglieder fühlten sich durch das gerichtete Licht und die dunklen Schatten an Gemälde von Rembrandt erinnert. Der stark abgedunkelte Hintergrund isoliert die Tiere wirkungsvoll und verleiht dem Bild eine beinahe museale Anmutung. Dazu kommt eine enorme Schärfe, die jede Federstruktur sichtbar macht. Dass sich vielen zunächst nicht erschloss, wie diese Wirkung entstand, erhöhte eher noch die Faszination des Bildes.

Glückwunsch zum ersten Platz!

 

Abstrakter Kirchenraum

 
Abstrakter Kirchenraum – Dittmar – Platz 2 (Ø 6,95)

 
Die Innenaufnahme der neugotischen St. Sixtus Kirche in Haltern am See verbindet klassische Architektur mit experimenteller Fotografie. Das Bild besteht aus zwei Aufnahmen: einem ruhigen Standbild und einem ICM-Foto (Intentional Camera Movement), die später in der Bildbearbeitung zusammengefügt wurden. Das ICM-Bild entstand mit der App „Slow Shutter Cam“. Durch diese Technik lösen sich die Säulen und Gewölbe teilweise in farbige Bewegungen auf, wodurch der Raum fast geisterhaft wirkt und das Aufstrebende der gotischen Architektur unterstützt wird. Die Clubmitglieder sahen darin eine spannende Mischung aus Realität und Interpretation. Besonders gelungen ist die Tiefe des Kirchenschiffs, die trotz der Verfremdung erhalten bleibt. Das Bild polarisiert weniger über das Motiv als über seine experimentelle Umsetzung – genau darin liegt aber seine Stärke.

 

Schwäne im Nebel

 
Schwäne im Nebel – Anja – Platz 3 (Ø 6,71)

 
Dieses Bild wurde als besonders stimmungsvoll und ruhig wahrgenommen. Der schlafende Schwan im Vordergrund und der zweite Vogel im Hintergrund erzeugen eine fast meditative Atmosphäre. Der Nebel reduziert die Szene auf wenige Formen und verstärkt die stille Wirkung enorm. In der Bildbesprechung wurde intensiv diskutiert, warum die Aufnahme konsequent in Schwarzweiß umgesetzt wurde. Einige Mitglieder fragten sich, ob eine starke Entsättigung statt eines vollständigen Schwarzweiß-Looks ebenfalls funktioniert hätte. Gerade diese Diskussion zeigt, wie unterschiedlich das Bild wahrgenommen wurde. Die Bewertungen gingen stark auseinander, was oft ein Zeichen dafür ist, dass ein Bild emotional und nicht nur technisch wirkt. Der ungewöhnliche Aufbau wurde gelobt, auch wenn manche ihn nicht ganz perfekt fanden.

Herzlichen Glückwunsch auch an Dittmar und Anja zu den Platzierungen!

 
Lichtinstallation „Der Baum“ – Wilfried – Platz 4
Die Aufnahme entstand in der Ausstellung „Mythos Wald“ im Gasometer Oberhausen und zeigt das Objekt „Der Baum“. Das Bild überzeugte vor allem durch seine technische Präzision. Es handelt sich um ein mehrzeiliges Panorama aus insgesamt sieben Einzelbildern, die sorgfältig zusammengesetzt wurden. Die leuchtenden blauen Linien wirken wie elektrische Wurzeln oder neuronale Verbindungen und entfalten vor dem dunklen Hintergrund eine enorme Präsenz. Die kleinen silhouettenhaften Menschen darunter verdeutlichen die monumentale Größe der Installation. Die Clubmitglieder lobten besonders die saubere technische Ausführung und die beeindruckende Raumwirkung. Das Bild verbindet dokumentarische Genauigkeit mit einer fast futuristischen Ästhetik.

 
Industrieansicht mit „deuka“-Logo – Oliver – Platz 5
Die Aufnahme zeigt das Gelände eines Futtermittelherstellers und lebt fast vollständig von ihrer grafischen Wirkung. Die Wiederholung der Farben Grün, Gelb und Blau erzeugt eine starke visuelle Klarheit. Viele rechte Winkel und streng geometrische Linien verleihen dem Bild eine fast konstruktivistische Ordnung. In der Bildbesprechung wurde besonders der extrem saubere und sorgfältige Aufbau hervorgehoben. Trotz des sachlichen Motivs wirkt die Aufnahme erstaunlich ästhetisch und modern. Die Reduktion auf wenige Farben und Formen schafft eine außergewöhnliche Klarheit, die das Bild die Anmutung einer Designstudie verleiht.

 
Louvre Paris – Benno – Platz 6
Die Aufnahme zeigt den Cour Napoléon des Louvre aus erhöhter Perspektive, fotografiert mit einem Handy. Gerade die Vielzahl der Menschen machte das Bild in der Besprechung interessant, weil es dadurch wie ein „Wimmelbild“ wirkt. Einige Mitglieder fühlten sich an die großformatigen Arbeiten von Andreas Gursky erinnert, bei denen man immer neue Details entdecken kann. Die Szene lebt weniger von dramatischem Licht als von ihrer Komplexität und räumlichen Ordnung. Die moderne Glaspyramide steht dabei im spannenden Kontrast zur historischen Architektur des Louvre. Besonders positiv wurde hervorgehoben, dass das Bild auch nach längerem Betrachten nicht langweilig wird, weil ständig neue kleine Szenen sichtbar werden.

 
Graffiti im Lost Place – Karl-Ulrich – Platz 7
Das Bild entstand im ehemaligen Südbahnhof Dortmund, der inzwischen abgerissen wurde. Die Mischung aus Verfall, Graffiti und der großen Comicfigur erzeugt eine rohe urbane Atmosphäre. In der Bildbesprechung war zunächst unklar, wie die Komposition aufgebaut wurde. Der Fotograf erklärte später, dass zwei Aufnahmen aus demselben Objekt in der Bildbearbeitung kombiniert wurden. Dadurch entsteht ein leicht surrealer Eindruck, bei dem die Figur fast zu groß und unnatürlich präsent wirkt. Gerade diese Irritation macht das Bild spannend. Die Aufnahme erzählt viel über Vergänglichkeit und urbane Kultur und verbindet dokumentarische Elemente mit kreativer Montage

 
Regennacht in Vancouver – Dietmar (Platz 8
Diese Streetaufnahme entstand auf der Robson Street in Vancouver bei Regen und Nacht. Besonders auffällig sind die roten Ampeln, die das Bild regelrecht einrahmen und den Blick in die Tiefe der Straße lenken. Die spiegelnden Straßenoberflächen verstärken die Lichtwirkung zusätzlich und erzeugen eine filmische Atmosphäre. In der Bildbesprechung wurde betont, dass das Bild auch ohne ein klares Hauptmotiv hervorragend funktioniert. Die Stimmung entsteht allein durch Licht, Wetter und Raumwirkung. Die einsame Person mit Regenschirm verstärkt das Gefühl von Großstadt und Melancholie. Insgesamt ein sehr starkes Stimmungsbild mit überzeugender Tiefe.

 
Museumsszene in Leiden – Volker – Platz 9
Die Aufnahme entstand im Museum De Lakenhal in Leiden während der Ausstellung „400 Jahre Jan Steen“. Besonders die Bildgestaltung wurde gelobt: Das wiederkehrende Quadratmotiv taucht sowohl im Lichtmuster auf dem Boden als auch in den Sitzwürfeln auf und verbindet die gesamte Szene formal. Gleichzeitig wurde diskutiert, ob im Bild vielleicht „zu viel los“ sei. Vor allem der gelb beleuchtete Mann rechts zieht stark Aufmerksamkeit auf sich und konkurriert mit anderen Bildelementen. Dadurch fehlt manchen Betrachtern ein eindeutiges Hauptmotiv. Trotzdem überzeugt das Bild durch seine gute Tiefenwirkung und die intelligente Komposition. Interessant war zudem die Aussage des Fotografen, dass er versucht habe, die Bildgestaltung des alten Meisters Jan Steen fotografisch zu interpretieren.

 
Krokusse im Westfalenpark – Jörg-Ilja – Platz 10
Die Aufnahme zeigt Krokusflächen im Dortmunder Westfalenpark und lebt von ihrer weichen Frühlingsstimmung. Positiv hervorgehoben wurde die Staffelung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, die dem Bild räumliche Tiefe verleiht. Das Hauptmotiv ist klar erkennbar und hebt sich angenehm von den unscharfen Blüten im Vordergrund ab. Gleichzeitig gab es in der Bildbesprechung einige Hinweise auf Gestaltungsvarianten: Das harte Sonnenlicht erzeugt starke Kontraste, weshalb vorgeschlagen wurde, das Hauptmotiv eventuell leicht abzuschatten. Zudem wurde angemerkt, dass die Freistellung nicht ganz konsequent sei und eine stärkere Blickführung dem Bild zusätzliche Klarheit geben könnte. Dennoch vermittelt die Aufnahme sehr schön die Leichtigkeit und Farbigkeit des Frühlings und besitzt eine freundliche, natürliche Wirkung.

Text: Jörg-Ilja Haußmann und Dittmar Graf